Liebstes Tochterkind,

glaub nicht wir hätten deinen zweiten Geburtstag verpasst. Nein, wir haben ausgiebig gefeiert, mit Kuchen (den du ignoriert hast), mit Geschenken (was du super fandst) und mit Trötten, Partyhüten und Luftschlangen (was für dich am allertollsten war). Du hast deinen ersten Blumenstrauß bekommen. Und du warst überhaupt eine richtige Geburtstagsdiva.

Inzwischen sind schon wieder ein paar Tage in Land gegangen. Und du schienst gut mit deinem Alter zu Recht zu kommen. Dabei hattest du eine ausgewachsene Midlifecrisis vor deinem Geburtstag. So viel schlechte Laune auf einem Haufen, das war schwer auszuhalten. Aber es ist eben nicht ganz einfach zwei Jahre alt zu werden. Was für ein Glück, dass jetzt wieder die Sonne scheint und du – volle Kraft voraus – die Welt eroberst.

Apropos Erobern – du schienst dich momentan ein bisschen Abzunabeln und deine geografischen Grenzen verschieben sich – nicht immer zu unserer Freude. So traust du dich inzwischen – sehr zu unserem Leidwesen – aus dem Tor heraus und auf die andere Straßenseite. Gestern hast dich auch einfach in den Kindergarten abgeseilt, ohne elterliche Verstärkung.

Du bist also mehr als bereits für deinen Kindergartenbeginn im April. Große Kinder bewunderst du aus vollen Zügen, während Babys eher langweilig sind. Aber mit großen Kindern spielen liebst du und da müssen wir dich auch manchmal aus fremden Wohnzimmern zurückholen.

Manchmal frage ich mich ja schon wie zwei eher introvertierte Eltern zu so einem extrovertierten Kind kommen. Du bist weder schüchtern noch ängstlich. Nur wenn dir manchmal alles zu viel wird, dann flüchtest du zu uns. Sonst nimmst du aber ohne Scheu Kontakt auf, wenn dir jemand sympathisch ist oder etwas besitzt was du gerne hättest. Auf dem Markt bekommst du inzwischen immer etwas geschenkt. Und wenn nicht erinnerst du die Marktfrauen mit einem Augenaufschlag und einem süßen Lächeln daran.

Überhaupt dein Wille. Du weißt genau was du willst und was nicht. Entsprechend lautstark machst du deinem Unmut Luft oder forderst ein, was du willst. Das wird dann auch mal richtig anstrengend.  Dazu kommt ein unermessliches Maß an Energie, das dich permanent in Bewegung hält. Kein Wunder also dass du noch immer deinen Mittagsschlaf brauchst. Klettern, turnen, laufen, springen, werfen … Damit bist du den ganzen Tag beschäftigt. Dazwischen ist wenig Raum für anderes. Das einzige was ähnliche Aufmerksamkeit bekommt ist dein Duplo. Bücher sind kurzfristig interessant, aber wehe wir versuchen vorzulesen da fehlt dir die Geduld. Lieber kehrst du oder putzt.

Und weil zu einem Geburtstag auch immer eine Geburtsgeschichte gehört:

Wenn ich da an den kleinen Alien denke, der vor zwei Jahren in unser Leben kam, kann ich es oft gar nicht glauben. Dabei hätte ich es ja ahnen können. Schließlich hast du dich schon damals nicht um Erwartungen geschert, sondern bist mit einem lauten Knall 10 Tage vor Termin gekommen und hast uns alle überrascht und alle Pläne zunichte gemacht. Wahrscheinlich warst du stinkig, weil ich deine ganzen Wehenanstrengungen einfach mal ignoriert und als Übungswehen abgetan habe… Deinen armen Papa hast du deshalb gleich mal morgens um 6 mit dem Bus quer durchs Land gejagt um ihn dann filmreif am Bahnhof in ein Taxi springen zu lassenmit der Aussage: „Schnell ins Krankenhaus! Meine Frau kriegt ein Kind!“

Ja du warst schon immer ein bisschen Dramaqueen. Ein Energiebolzen mit einem Dickschädel. Und eine Prinzessin mit süßem Grinsen und großen dunklen Augen.

Vor zwei Jahren standen mir jetzt noch die schlimmsten Wochen bevor. Viele Tränen und Schmerzen. Das Stillen war am Anfang eine Katastrophe. Das abendliche Weinen, der wenige Schlaf…

Damals konnte ich das Licht am Ende des Tunnels oft nicht sehen. Heute weiß ich aber wie viel Liebe, Lachen, Glück und Freude uns als Familie begleitet. Was für ein wunderbares Kind du bist und wie einfach alles mit der Zeit wird.

Während du also sprechen lernst, physikalische Experimente durchführst (ja die Schwerkraft gibt es auch in Vietnam) und dich groß feiern lässt, bin ich ein bisschen wehmütig und vor allem furchtbar beeindruckt, was für ein Superkind du bist.

Ich drück dich.

In Liebe deine Mama und dein Papa

Eine Antwort zu “2 Jahre mit dem Tochterkind”

  1. Boutheyna sagt:

    my lovely i missed you soooo much

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