Ich habe ja schon lange keines der obligatorischen Kackagespräche geführt, welche für Eltern doch so typisch sind. Auch sonstige Ausscheidungen meines Kindes wurden nicht gesprächstherapeutisch behandelt. Oder ist das gar nicht mehr notwendig, jetzt wo das Tochterkind quasi schon groß ist? Zur Sicherheit trotzdem hier ein kurzer Einschub „Kackagespräch“. Wobei eigentlich geht es ja gar nicht um die Ausscheidungen meiner Tochter, aber von vorne…

Der Vorfallnummer 1

Ich war heute Haare waschen. Und ja, das ist irgendwie dekadent. Und ja, ich fühle mich ein bisschen wie früher hier in Vietnam, weil ich weder kochen, noch putzen, noch Haare waschen muss…

Also Haare waschen. Das dauert immer so etwa 30 Minuten und als ich fertig bin, sehe ich da eine Mutter mit ihrer vielleicht vierjährigen Tochter warten. Während sie also wartet, dass sie dran kommt füttert sie ihr Kind mit Joghurt. Dann steht sie auf, wirft den leeren Joghurtbecher weg, hebt ihr Kind hoch, zieht ihm die Hose runter und lässt es Pipi machen. Direkt in den Rinnstein. Vor allen Augen.

Und keiner hat sich daran gestört.

Der Vorfallnummer 2

Zwei Stunden später, im Café  – also mehr so Garten und nicht richtig nobel -, das Tochterkind hat eine volle Windel. Die stinkt zum Himmel. Nur gibt es leider keinen Wickelraum. Deren Erfindung ist wohl an Vietnam vorbeigegangen. Es gibt auch keine einigermaßen sauberen Toiletten oder sonstige Alternativen. Das Tochterkind muss also an Ort und Stelle gewickelt werden. Das Café ist zum Glück so gut wie leer. Nur die Bedienungen schauen zu uns her. Und ich zögere. Das ist mir unangenehm. Das macht man nicht in der Öffentlichkeit. Endlich schauen sie weg, ich dreh mich in die andere Richtung. Das Tochterkind wird auf die Bank gepackt. Und in Null-Komma-Nichts ist die Windel gewechselt.

Und keiner hat sich aufgeregt.

Und während ich dann meinen Nachmittag durchaus sinnvoll mit einem Streifzug durch die deutsche Elternblogosphäre verbringe, fällt mir erstens auf, dass ich das wohl schon länger nicht mehr getan habe und zweitens in meiner virtuellen Abwesenheit gleich zwei Aufreger verpasst habe. Einmal Elternbashing erster Güte und dann noch ein bisschen Treten gegen Stillen in der Öffentlichkeit, beide Male als nette Medienkolumnen.

Was das mit dem Thema zu tun hat?

Ich fordere nicht gerade das Recht zum öffentlichen Pinkeln für Kleinkinder oder mehr Toleranz für Stinkewindeln in deutschen Cafés. Aber ein bisschen mehr vietnamesische Entspanntheit und Normalität im Umgang mit Eltern, Kindern und Babys, sowie denn jeweiligen Begleiterscheinungen würde manchen Zeitgenossen ganz gut zu Gesicht stehen.

Denn welch ein Wunder, Kinder sind vor allem eins: Alltag. Und es geht immer noch schlimmer als ein nackter Stillbusen. Da wäre zum Beispiel ein nackter Kinderpopo – Gott bewahre.

P.S.: Jetzt war das gar kein richtiges Kackagespräch. Eher ein Pipitalk. Naja, nächstes Mal dann…

Eine Antwort zu “Kackagespräche”

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