Es ist heiß hier in unserer kleinen Stadt. Richtig heiß. Das hatte ich ja bereits erwähnt. Die Hitze macht uns träge und langsam. Und meistens plätschert das Leben hier ebenso dahin – außer wir müssen arbeiten, aber das ist dann eine andere Geschichte. Wir haben uns arrangiert, mit der Hitze, der Sonne und der Langsamkeit. Und tatsächlich, man kann das Leben auch bei 35°C genießen. Man muss nur ein paar Regeln und Tipps beherzigen. Deshalb folgen jetzt unsere Top 10 Reisetipps gegen die Hitze in Vietnam – geprüft und für gut befunden.

  1. Den Tag vernünftig einteilen

Diese erste und überlebenswichtige Regel muss zu jederzeit berücksichtigt werden. Keiner hat Spaß daran in der Mittagshitze zu shoppen, Sehenswürdigkeiten zu besichtigen oder Interviews zu führen. Es gilt also vernünftige Zeitfenster für Aktivitäten zu definieren, die restliche Zeit dient der Erholung. Berücksichtigt werden muss neben Temperatur und Sonnenstand, auch die zeitliche Verfügbarkeit von Essen, die allgemeine Stimmung und Laune aller Beteiligten, sowie der Tagesrhythmus der Einheimischen. So gestaltet sich etwa Motorrad fahren zur Rushhour als anstrengend, vor allem wenn man zufällig an einer Schule vorbei muss. Und am Wochenende sind alle Cafés zwischen 7 Uhr morgens und 9 Uhr morgens völlig überlaufen. Es ist also gar nicht so einfach seine Zeit und Aktivitäten vernünftig zu planen. Deshalb muss auch unbedingt der zweite Tipp beachtet werden:

  1. Früh aufstehen

Zugegeben das ist nicht gerade meine Stärke, aber um den Tag richtig zu starten, ist ein frühes Aufstehen unabdingbar. Am Besten wäre es, wenn man direkt mit den Einheimischen um 5 Uhr morgens zum Frühsport aufsteht. Aber da ist es a) noch dunkel und b) treiben wir keinen Sport. Um das frühe Aufstehen zu erleichtern, hat der Vietnamesische Staat in seiner Weisheit dafür in der ganzen Stadt Lautsprecher verteilt, um so mit aufmunternder Musik und klugen Worten den Tag positiv einzuläuten. Und zugegeben die Zeit zwischen 5 Uhr und 8 Uhr ist angenehm kühl und lädt zu Aktivitäten gerade zu ein.

  1. Eiskaffee trinken

Wenn man sich dann zu nachtschlafender Zeit aus dem Bett gequält hat (also zwischen 6.30 und 7 Uhr), dann sollte die erste Handlung immer ein Besuch beim persönlichen Kaffeelieferanten Nr. 1 sein. Nichts geht über einen starken vietnamesischen Kaffee mit süßer Kondensmilch und Eis. Die Vietnamesen haben die Kunst perfektioniert einen dickflüssigen, extremstarken Kaffeesirup zu produzieren, der schon in kleinsten Mengen Tote aufwecken kann. Mit Milch gesüßt und mit Eis verfeinert hilft das dann auch den letzten Schlafmützen den Tag in Angriff zu nehmen.

  1. Mittagsschlaf

Spätestens um 11 Uhr sollten dann alle morgendlichen Aktivitäten erledigt sein. Auf dem Plan steht jetzt Mittagessen – wie auch bei allen anderen Vietnamesen, was durchaus zu Gedränge beim Verkauf führen kann. Hier hilft nur die hohe Kunst des Drängelns und sich breit machen. Bei so viel körperlicher Anstrengung und mit Blick auf die steigenden Temperaturen, das frühe Aufstehen und den Stand der Sonne ist dann unbedingt ein Mittagschlaf angesagt. Für die nächsten zwei Stunden steht das Leben in Vietnam still (naja, wahrscheinlich nicht in den Großstädten). Wer dennoch auf der Suche nach Abenteuern durch die Straßen streunt, wird mit Blick auf verwaiste und in der Sonne glühende Straßen sowie durch die bösen Blick der im Schatten dösenden alten Frauen eines besseren belehrt. Man sollte dann  schnellst möglichst den Schatten und eine entsprechende Liegefläche aufsuchen.

  1. Obst

Um dann den Nachmittag gebührend zu beginnen, lohnt sich ein Blick auf die übervollen Marktstände mit ihrer breiten Auswahl an Obst. Wer nicht schon nach dem Mittagessen zu Mango, Guave oder Wassermelone gegriffen hat, sollte spätestens jetzt den Griff in den Obstkorb wählen. Ob als Smoothie, Saft, mit Joghurt oder frisch – mit Obst kann man nichts falsch machen. Gerade bei der Hitze bittet sich ein mit Eis, Milch und Obst gemixter Smoothie als Erfrischung an.

  1. Haare waschen

Wer dann im Laufe des Nachmittags der Hitze entfliehen will und sich vor allem dem unangenehme Gefühl von im Nacken klebenden Haar entledigen will (und eine Frau ist), kann sich den Luxus einer Haar – oder besser Kopfwäsche gönnen. Nichts ist entspannender und erfrischender als den Kopf mit kaltem Wasser gespült und geschrubbt zu bekommen. Und dann folgt in der Regel auch noch eine Kopf-, Nacken- und Gesichtsmassage (und Wäsche). Das Ganze dauert gut und gerne 30 Minuten. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die eventuell stattfindende Ohrreinigung. Und über Kommentare bezüglich großer Nasen oder der Haarfarbe darf man sich auch nicht wundern.

  1. Motorrad fahren

Wer auf die Kopfwäsche verzichten will, kann um der Hitze zu entfliehen aber auch auf ein Motorrad steigen und durch die Stadt hinaus in die Reisfelder düsen. Der Fahrtwind sorgt für Abkühlung und die teilweise schlechten Straßen für den einen oder anderen Adrenalinkick. Wer es noch aufregender will, kann über 1m breite Stege zwischen Seen und Reisfeldern in versteckt liegende Dörfer balancieren. Mit dem Motorrad und bei Gegenverkehr eine wahre Herausforderung.

  1. Den Strand genießen

Wer zusätzlich das Glück hat in einer zentralvietnamesischen Kleinstadt in Meernähe zu leben, der kann das Motorrad nutzen um einen Abstecher an den nahen Strand zu unternehmen. Nichts ist wirkungsvoller gegen die Hitze als sich die Seeluft um die Nasenspitze wehen zu lassen während man mit den Füßen in den Fluten des Meeres steht. Besonders vorteilhaft ist es wenn dieser Strand nicht unbedingt im Herz der Touristenhochburgen liegt, sondern so abgeschieden, dass außer der einheimischen Fischer und der städtischen Mittelschicht sowie verliebter Paare niemand den Weg dorthin findet. Man steht also zwischen vietnamesischen Großfamilien mit Picknickdecke, streunenden Hunden (wohlerzogen) und allem was das Meer so hergibt (inklusive einer ordentlichen Ladung Müll) in der Brandung und lauscht dem Kreischen junger und nicht mehr ganz so junger Vietnamesen mit der Option im Anschluss frische Meeresfrüchte in einer der Hütten direkt am Strand zu verzehren. Außerdem sind auch die Freiluftduschen einen Blick wert, wo man sich zwischen trocknenden Fischen (an der Wäscheleine) den Sand von den Füssen waschen kann.

  1. Den Abend nutzen

Kommt man dann mit der untergehenden Sonne zurück in die Stadt, sollte man nach einer ausgiebigen Dusche die laue Abendluft genießen. Wer den Drang nach sportlicher Betätigung empfindet der kann jetzt loslegen – gemeinsam mit all jenen Vietnamesen, die morgens um 5 Uhr wenig motiviert war. Alternativ kann man sich nach einem leichten Abendessen – Nudelsuppe bietet sich an – auch für einen frischen Saft oder Drink in eines der vielen Cafés setzen. Die Auswahl ist riesig – mit Musik, mit Karaoke, mit Fernseher, mit Fußball… Oder man beobachtet das vietnamesische Leben auf der Straße. Und dann gibt es auch noch die Option sich bei einem guten Essen gepflogen am Straßenrand zu betrinken. Ja, die schier endlosen Möglichkeiten des Nachtlebens einer vietnamesischen Kleinstadt.

  1. Sich gegen die Mücken wappnen

Der einzige Nachteil der vietnamesischen Abende ist das hohe Aufkommen der kleinen lästigen Biester. Wer also nicht völlig zerstochen werden will, sollte auf lange Kleidung oder alternativ ausreichend Antimückenspray achten, sonst kann der schönste Abend in einer nächtlichen Kratzorgie enden.

Übrigens neu entdeckt haben wir diese Woche Zuckerrohrsaft als Geheimwaffe gegen die Hitze. Mit Salz und Zitrone wird ein erfrischendes Getränk daraus, dass an jeder Straßenecke angeboten wird. Prost.

P.S.: Das Tochterkind ist übrigens äußerst glücklich mit der Hitze. Sie hat aber einen großen Faible für Eiswürfel entwickelt und rennt am liebstens als Nackedei durch die Welt. Ebenfalls großartig sind Wassereimer…

 

Eine Antwort zu “Top 10 Reisetipps gegen die Hitze – Vietnam”

  1. AHNin sagt:

    hm schlecht vorstellbar – hier, bei gerade mal 7 Grad Höchsttempertur heute. Statt Eiskaffee und Zuckerrohrsaft mit Eis ist mir da eher nach Ingwertee! Deutlich wird mir aber, wie doch das Klima die Tagesstruktur und Lebensweise bestimmt! Alternative: sich in einengende, klimatisierte (Lebens-) Räume begeben, aber ob das Lebensqualität ist, bleibt für mich mehr als fraglich….

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