So jetzt gibt es ja eigentlich viel Neues zu schreiben, aber stattdessen folgt jetzt erstmal ein Geständnis. Ja, ich bin Langzeitstillerin. Ja auch mit fast 2,5 Jahren haben wir noch nicht abgestillt. Und ja, wir sind damit eigentlich ganz zufrieden. Meistens. Vielleicht etwas weniger an langweiligen, verregneten Nachmittagen, an denen die Tochter stillen als adäquate Freizeitbeschäftigung bewertet. Aber insgesamt, passt es. Für sie. Für mich. Für uns.

Und trotzdem scheint es da jemanden zu geben der das anders sieht. Hmmm…

Dabei bin ich tatsächlich durch 2,5 Jahre Stillzeit gekommen ohne dumme Sprüche. Niemand hat mich je auf eine Toilette verwiesen. Angewidert geguckt. Blöd kommentiert. Und das, obwohl ich in der Öffentlichkeit stille. Schon immer. Und immer noch. Einzig ältere Damen scheinen erstaunt, dass da immer noch Milch kommt.

Eine schnelle Google-Suche gibt 2,5 Jahre als das natürliche Abstillalter der Kinder. Oder besser gesagt, ab 2,5 Jahren stillen sich Kinder im Durchschnitt freiwillig selbst ab, wenn man es ihnen selbst überlässt. Wir sind also noch gut dabei.

Und trotzdem. Da ist plötzlich diese andere Frau, die es zu tangieren scheint. Für die das Stillen eines Kindes in einer anderen Familie anscheinend ihr Seelenheil bedroht. Oder wie sonst erklären sich impertinente Fragen nach dem Abstillen. Denn seien wir ähnlich, das geht sie ja eigentlich nichts an. Es sollte sie noch nicht mal interessieren. Schließlich frage auch ich nicht wildfremde Mütter auf der Straße, wann sie denn endlich gedenken mal den Schnuller abzugewöhnen. Denn nichts anderes ist Stillen für die Tochter. Es befriedigt ihr Nuckelbedürfnis, schenkt Trost, Sicherheit und Ruhe. Und anscheinend auch schlaflose Nächte in anderen Schlafzimmern. Dabei sind wir noch nicht mal Spielplatzfreunde. Wir sehen uns, wenn es hoch kommt zwei Mal die Woche insgesamt für vier Stunden. Und nein, in diesen vier Stunden wird die Tochter nicht ununterbrochen gestillt. Es kann sogar sein, dass sie überhaupt nicht gestillt wird, so lange sie nicht von fremden Kinder geschubst oder gehauen wird oder ich mit ihr schimpfen muss.

Die fremde Frau sieht mich nicht abends, wenn ich die Tochter zum Einschlafen stille. Oder im Bus, auf dem Heimweg vom Kindergarten. Oder an den erwähnten langweiligen Regennachmittagen. Oder sonst irgendwo. Überhaupt sieht sie eigentlich nicht besonders viel. Denn ja, nach 2,5 Jahren kann ich diskret stillen. Kind und Oberteil verdecken alles Interessante oder Obszöne.

Und trotzdem scheint es für sie relevant zu sein.

Leider fehlt mir ja in solchen Situationen, die Sprache. Oder anders gesagt, heraus kommt nur Dünnschiss: mich rechtfertige, entschuldigen, Besserung geloben. Warum eigentlich?

Ich bin jetzt mal ehrlich. Wir werden wohl nicht vor dem Herbst abstillen. Frühestens.

Deshalb hier ein paar Punkte, die ich relevant finde. Ganz speziell an meine neue Freundin, die fremde Frau:

  1. Ja wir stillen und nein es geht niemanden außerhalb unserer Familie – heißt Papa, Mama, Kind – etwas an wie lange wir das tun. Sollte sich irgendjemand Sorgen um das Kindswohl machen, kann er in diesem Fall das Jugendamt kontaktieren, Gesetz den Falls er sieht Langzeitstillen auf einer Stufe mit Kindsmisshandlung. Sollte dies nicht der Fall sein, sehe ich keinen Grund warum irgendjemand – ja ich schau dich böse an fremde Frau – auch nur im Entferntesten ein Interesse daran haben sollte, wie lange wir stillen.
  2. Und ja es gibt für uns gute Gründe warum wir noch immer stillen. Oder anders gesagt es gab bisher noch keine rationalen Gründe nicht mehr zu stillen und sich den Horror des Abstillens anzutun. Ich fühle mich wohl. Mein Mann hat damit kein Problem. und die Tochter sowieso nicht. Alle weiteren Gründe könnte ich jetzt hier auch aufführen, angefangen von einem langen Auslandsaufenthalt in einem Entwicklungsland und der Kindergarteneingewöhnung. Aber eigentlich muss ich mich ja nicht rechtfertigen.
  3. Also gebe ich an dieser Stelle ganz ehrlich zu, ich bin zu bequem zum Abstillen.
  4. Darüber hinaus verdanken wir dem Langzeitstillen eine ganze Menge, sind wir doch ohne größere Krankheiten durch sechs Monate Vietnam und vier Monate Kindergarten gekommen.
  5. Und nein, bitte schlagt mir nicht vor ein 2,5-jähriges Kind an die Flasche oder den Schnuller zu gewöhnen. Mein Kind kann Milch ganz normal aus einem Glas trinken. Das ist sicher nicht das Problem. Und zum Thema Schnuller siehe oben. Und ja, auch einen Schnullers muss man irgendwann entwöhnen. Also gibt es bei uns keine Ersatzbefriedigung.
  6. Ich freue mich, davon zu hören wie sich dein Kind mit 16 Monaten selbst abgestillt hat. Wirklich. Das ist schön für dich. Unkompliziert. Aber ganz ehrlich, es ist für uns total irrelevant, denn mein Kind denkt auch mit 2,5 Jahren nicht an’s Abstillen. Insofern geht hier der Lerneffekt bei mir verloren. Aber ich freue mich für dich.
  7. Ich entschuldige mich für mögliche schlaflose Nächte, die dir unser Langzeitstillen verursacht hat. Wie du siehst ist mir nicht ganz klar, inwiefern du von unserem Langzeitstillen betroffen bist. Auch intensives nächtliches Nachdenken meinerseits hat hier Nichts zu Tage befördert.
  8. Falls es sich nur um einen unbeholfenen Versuch zur Konversation gehandelt hat – auch wenn das bei zwei Mal eher unwahrscheinlich erscheint – entschuldige ich mich hiermit für all die Unterstellungen.

Wie du siehst kommen wir ganz gut klar. Ja uns geht es wunderbar. Das Kind läuft, spricht und ist sogar manchmal ein soziales Wesen. Ich habe bisher nicht den Eindruck einen Soziopathen, Psychopathen oder sonstigen Pathen heranzuziehen. Solltest du aber in der fernen Zukunft von meinem Langzeitstillkind in irgendeiner Form – terroristisch, mörderisch oder sonst wie – bedroht werden, tut mir mein Irrtum aufrichtig leid.

Bis dahin jedoch wünsche ich keine weitere Einmischung.

Vielen Dank.

 

P.S.: So klein war die Tochter einmal. Unglaublich. Damals war stillen noch legitim.

 

 

 

Eine Antwort zu “Halt dich da raus!”

  1. Miri sagt:

    oh man Miri wer hat dich denn da so empört?!

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