Als die Tochter zur Welt kam schneite es. Ihr erster Tag mit uns war ein richtiges Wintermärchen. Und obwohl ich kein Freund von Schneematsch und vereisten Fußwegen bin, lag ein Zauber über diesem Tag. Natürlich gab es keine Eisblumen am Fenster (nicht das ich mich erinnern würde), aber eine Amsel hüpfte durch den Schnee. Überhaupt gehören Eisblumen für mich ein bischen ins Land der Mythen und Märchen. Zu den kleinen Wundern, so oft unbemerkt, so unwahrscheinlich. Und trotzdem schön, zart, kalt. Etwas geheimnisvolles schwingt darin mit. So wie auch jeder Geburt ein geheimnisvoller Zauber inne wohnt.

Neben dem dunklen, kalten deutschen Winter ist die Tochter aber auch ein Kind der Sonne. Sie trägt die Namen zweier Blumen. Und ein Teil ihrer Wurzeln liegen auf der anderen Seite des Globus, zwischen grünen Reisfeldern und verstaubten Landstraßen. Und in den wuseligen Strassen Südvietnams.

Die Tochter trägt beides in sich, Kälte und Hitze, Schnee und Regen, Deutschland und Vietnam. Für mich bedeutet das oft einen Spagat zwischen zweo Welten, zwei Sprachen, zwei Kulturen und zwei Ländern. Unsere Aufgabe als Eltern ist es sie dabei zu begleiten, beides entdecken und Wert schätzen zu können. Das ist unser Weg, unsere Geschichte von unterwegs…